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Nachhaltigkeit

Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse für die Elektronikindustrie im Rahmen der EU-CSRD meistern

Aktualisiert am

Einleitung

Für Unternehmenskunden in der Elektronikindustrie steht eine neue Welle von Compliance-Anforderungen bevor. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union ist nun in Kraft und schreibt die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen für zahlreiche Unternehmen vor, darunter auch Nicht-EU-Unternehmen mit umfangreichen Geschäftsaktivitäten innerhalb der EU.

Eine zentrale Anforderung dieser Richtlinie ist die „doppelte Wesentlichkeitsanalyse“ (DMA). Unabhängig davon, ob Ihr Unternehmen derzeit auf der verpflichteten Liste steht, nimmt der Druck in Bezug auf „Nachhaltigkeit“ seitens Investoren, Kunden und Lieferketten zu. Die DMA dient daher nicht mehr nur der Erfüllung von Offenlegungspflichten, sondern ist entscheidend für die Risikosteuerung, Marktchancen und die künftige Wettbewerbsfähigkeit. 

Um Elektronikunternehmen dabei zu unterstützen, ihre DMA effizient und präzise durchzuführen, hat die Global Electronics Association kürzlich den Bericht A Sustainability Context Report for the Electronics Industry veröffentlicht, der einen professionellen und praxisnahen Leitfaden für die Branche bietet.

Was ist eine „doppelte Wesentlichkeitsanalyse“ (DMA)? 

Kurz gesagt: Während Nachhaltigkeit ein umfassendes Ziel ist, dient die DMA als zentrales Instrument, um aus zahlreichen Nachhaltigkeitsthemen (z. B. Klimawandel, Wasserressourcen, Arbeitnehmerrechte und Arbeitsbedingungen in der Lieferkette) diejenigen herauszufiltern, die für das Unternehmen tatsächlich wesentlich sind. Der Begriff „doppelt“ bedeutet, dass Unternehmen die Wesentlichkeit aus zwei unterschiedlichen Dimensionen bewerten müssen:

Tabelle 1: Die zwei Dimensionen der DMA

Auswirkungswesentlichkeit

Die „Inside-Out“-Perspektive: Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen des Unternehmens auf die externe Umwelt. Bewertet werden die positiven oder negativen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft.

Finanzielle Wesentlichkeit

Die „Outside-In“-Perspektive: Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen der externen Umwelt auf das Unternehmen. Bewertet wird, wie sich Nachhaltigkeitsthemen (z. B. Ressourcenknappheit und regulatorische Änderungen) auf die finanzielle Leistung des Unternehmens (kurz-, mittel- oder langfristig) auswirken und wie sich diese Faktoren in finanziellen Risiken und Chancen niederschlagen.

 

Nach dem Prinzip der „doppelten Wesentlichkeit“ muss das Unternehmen ein Thema systematisch steuern und offenlegen, wenn es entweder in der Dimension „Auswirkung“ oder „Finanzen“ als wesentlich eingestuft wird. Die DMA hilft Unternehmen somit, Rentabilität und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen, indem sie zentrale Risiken und Chancen identifiziert.

Die vier Phasen der DMA 

Ein belastbarer DMA-Prozess wird typischerweise in vier Phasen unterteilt:

Phase 1: Kontext festlegen

Dies ist der Grundpfeiler des DMA-Prozesses und konzentriert sich auf eine umfassende Bestandsaufnahme. Unternehmen müssen ihre interne Situation – einschließlich Geschäftsmodellen, Kerngeschäft und Wertschöpfungsketten – klar überprüfen und zugleich das externe Umfeld analysieren, etwa Branchentrends und regulatorische Anforderungen. Nur auf Grundlage einer soliden Diagnose können Unternehmen die für sie relevantesten Nachhaltigkeitsthemen präzise bestimmen.

Der Context Report der Global Electronics Association dient als maßgeblicher „Referenzleitfaden“ für die Elektronikindustrie. Durch die systematische Darstellung gängiger Branchenthemen – wie dem Management langer Lieferketten, hohem Energieverbrauch, der Abhängigkeit von seltenen Metallen und Risiken für Arbeitnehmerrechte – stellt der Bericht sicher, dass der DMA-Prozess evidenzbasiert erfolgt, anstatt bei null zu beginnen.

Phase 2: IROs identifizieren (Auswirkungen, Risiken und Chancen)

Auf Grundlage des in Phase 1 ermittelten Kontexts müssen Unternehmen systematisch eine umfassende Liste potenzieller Sachverhalte erstellen. Dazu gehören: die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft (Auswirkungen); die Bedrohungen, die von externen Veränderungen für das Unternehmen ausgehen (Risiken); sowie die potenziellen finanziellen Vorteile, die sich aus diesen Veränderungen ergeben (Chancen).

Phase 3: IROs bewerten

In dieser Phase werden die in Phase 2 identifizierten Sachverhalte bewertet. Mithilfe interner und externer Daten, Experteninterviews und Branchenanalysen müssen Unternehmen die Wesentlichkeit, Schwere und Eintrittswahrscheinlichkeit jedes Themas systematisch beurteilen, um eine solide Grundlage für die anschließenden Entscheidungen zu schaffen.

Phase 4: Priorisieren und Schwellenwerte festlegen

Im letzten Schritt wird definiert, „was als wesentlich gilt“. Unternehmen müssen konkrete Wesentlichkeitsschwellen festlegen und alle bewerteten Sachverhalte entsprechend einstufen. Sachverhalte, die die Schwellenwerte überschreiten, werden herausgefiltert und bilden eine Kernliste wesentlicher Themen, die vorrangig gesteuert und offengelegt werden müssen.

Zentrale Nachhaltigkeitsthemen und Abhängigkeiten in der Elektronikindustrie – eine DMA-Perspektive 

Der Context Report der Global Electronics Association bietet eine eingehende Analyse von sechs zentralen Teilsektoren: Halbleiterhersteller (SEM); Hersteller von IC-Substraten; Hersteller von Leiterplatten (PCB); Hersteller von Drähten, Kabelbäumen und Kabeln (WHM); Elektronikfertigungsdienstleister (EMS); sowie Originalgerätehersteller (OEM).

Der Bericht kategorisiert den Branchenkontext systematisch in zwei Listen und entspricht damit genau den beiden Dimensionen der DMA: 

Tabelle 2: Zentrale Nachhaltigkeitsthemen – entspricht „Inside-Out“: Fokus auf den tatsächlichen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft


Bereich

Kernthemen der Elektronikindustrie

Umwelt

Rohstoffe: Die Gewinnung von Metallen, seltenen Erden und Kunststoffen verbraucht Ressourcen und verursacht Ressourcenverknappung, Umweltzerstörung, Biodiversitätsverlust und die Zerstörung von Lebensräumen.

Energieverbrauch und THG-Emissionen: Energieintensive Fertigungsprozesse (z. B. Lithografie, Ätzen und Galvanisieren) führen zu einem hohen Verbrauch und erheblichen Treibhausgasemissionen.

Wasser: Prozesse wie die Wafer-Reinigung und das Spülen mit Chemikalien erfordern enorme Wassermengen und setzen die Versorgung in wasserarmen Regionen unter Druck. Industrielle Abwässer können gefährliche Chemikalien enthalten und Wassersysteme verschmutzen.

Abfallerzeugung und gefährliche Stoffe: Bei der Herstellung fallen gefährliche Abfälle an (chemische Lösungsmittel, Schwermetalle). Eine unsachgemäße Bewirtschaftung dieser Abfälle und von Elektroschrott gefährdet Böden, Wasser und die menschliche Gesundheit.

Management des Produktlebenszyklus: Für EMS- und OEM-Unternehmen ist die Entsorgung oder das Recycling von Produkten, die gefährliche Materialien (Batterien, Kunststoffe) enthalten, schwierig, wodurch am Ende der Nutzungsdauer negative Umweltauswirkungen entstehen.

Für Elektronikhersteller und OEMs, die batteriehaltige Produkte auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, kann das Management des Batterielebenszyklus außerdem produktspezifische Pflichten gemäß der Verordnung (EU) 2023/1542 auslösen. Dazu können die Batterieklassifizierung, Informationen zum Kohlenstoff-Fußabdruck, Nachweise zum Rezyklatanteil, Sorgfaltspflichten in der Lieferkette und der Digitale Batteriepass gehören. Das Angebot von REACH24H zur  Unterstützung bei der Einhaltung der EU-Batterieverordnung  hilft Unternehmen dabei, diese Anforderungen in Arbeitsabläufe für Produkt- und Lieferantendaten zu übertragen.

Menschenrechte

Faire Arbeitsbedingungen: Die arbeitsintensive Fertigung in kostengünstigen Regionen mit schwacher Regulierung birgt Risiken wie schlechte Arbeitsbedingungen, übermäßige Überstunden und Lohnungleichheit.

Arbeitsbedingungen in der Lieferkette: Zu den erheblichen Risiken in der vorgelagerten Lieferkette (z. B. Bergbau und Auslagerung) gehören Zwangsarbeit, Kinderarbeit und unsichere Arbeitsumgebungen.

Talentlücken und Kompetenzentwicklung: Die hohe Nachfrage nach Ingenieuren und spezialisierten Fachkräften führt zu intensivem Wettbewerb und damit in bestimmten Regionen zu Ungleichheiten bei Chancen und Vergütung.

Arbeits- und Gesundheitsschutz (OHS): Beschäftigte, die mit gefährlichen Chemikalien und Präzisionsmaschinen umgehen, sind Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Eine mangelhafte Steuerung kann zu Verletzungen und Beeinträchtigungen des Wohlbefindens führen.

 

Tabelle 3: Zentrale Nachhaltigkeitsabhängigkeiten – entspricht „Outside-In“: Fokus auf Ressourcen, von denen das Unternehmen abhängig ist und die sich in IROs niederschlagen


Arten

Zentrale Abhängigkeiten der Elektronikindustrie

Naturkapital

Ressourcenabhängigkeit: Die Branche ist in hohem Maße auf Silizium, Metalle, seltene Erden, Wasser und Energie angewiesen. Versorgungsinstabilität oder Preisvolatilität dieser Ressourcen wirkt sich unmittelbar auf die Kapazität aus und birgt erhebliche Risiken für die Betriebskosten.

Humankapital

Abhängigkeit von spezialisierten Fachkräften: Von Forschungs- und Entwicklungsingenieuren, die Innovationen vorantreiben, bis hin zu qualifizierten Technikern, die die Produktion sicherstellen, sind Fachkräfte eine Kernkompetenz. Engpässe oder Kompetenzdefizite gefährden den technischen Fortschritt, die Produktqualität und die betriebliche Effizienz.

Sozial- und Beziehungskapital

Beziehungsabhängigkeit: Der Erfolg erfordert die Unterstützung von Regierungen, zuverlässige Lieferantennetzwerke, das Vertrauen der Verbraucher und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Ein Versagen in einer dieser Beziehungen kann zu Betriebsunterbrechungen und Marktrisiken führen.

Fazit

Zusammenfassend stellt der Context Report die Nachhaltigkeitslandschaft der Elektronikindustrie systematisch dar. Von Umweltbelangen wie Ressourcenverknappung und Abfallmanagement bis hin zu sozialen Themen wie Arbeitnehmerrechten und Arbeits- und Gesundheitsschutz erstrecken sich diese Themen über den gesamten Produktlebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung am Ende der Nutzungsdauer. Um die DMA korrekt durchzuführen, müssen Unternehmen daher über isolierte Compliance-Risiken hinausblicken und die Fähigkeit entwickeln, Daten entlang komplexer Lieferketten zu erfassen und zu integrieren.

Angesichts des Trends zu detaillierteren Offenlegungsanforderungen und digitalem Management widmet sich REACH24H der umfassenden technischen Unterstützung der Branche. Durch unsere Expertise in Chemikalienvorschriften, nachhaltigen Lieferketten (einschließlich EPEAT, TCO-Zertifizierung) und digitalen Managementsystemen unterstützen wir Unternehmen dabei, Informationssilos zu überwinden und Risiken wissenschaftlich zu identifizieren und an der Quelle zu kontrollieren. Ob durch eine gründliche Gefahrenbewertung oder das systematische Management von Lieferkettendaten – REACH24H unterstützt Unternehmen dabei, globale regulatorische Standards einzuhalten und gleichzeitig ihre langfristigen Nachhaltigkeitsziele voranzutreiben.

Für weitere Informationen und Anfragen können Sie sich gerne an uns wenden unter customer@reach24h.com.